Der gegenwärtige Rechtsruck in Deutschland ist nicht das Werk der AfD allein, sondern das Ergebnis institutioneller Strukturen, die ihren Aufstieg über Jahre hinweg begünstigt haben. Über Jahre hinweg haben staatliche Routinen, Verwaltungsentscheidungen und juristische Praktiken ein Umfeld geschaffen, in dem rechte Netzwerke wachsen konnten, ohne konsequent verfolgt zu werden. Die AfD fungiert in diesem Gefüge nicht als Ursache, sondern als Indikator eines Kontrollverlusts, der in den Routinen und Entscheidungslogiken staatlicher Institutionen entstanden ist.
Gleichzeitig wird weiterhin von einer „Gefahr für die Demokratie“ gesprochen – als wäre der Rechtsruck ein externer Schock und nicht das Ergebnis systemischer Versäumnisse.
Die offiziellen Zahlen des Bundesamts für Justiz zeigen die Dimension dieser Entwicklung: Allein 2019 und 2020 wurden rund 39.000 von insgesamt 43.000 Anzeigen wegen politisch motivierter Straftaten eingestellt – überwiegend nach § 170 Abs. 2 StPO, mit der Begründung fehlender Beweise oder nicht ermittelbarer Täter. Diese Einstellungsquote von über 90 % betrifft vor allem rechtsextreme Delikte und entzieht dem Strafrecht – im Sinne Émile Durkheims – seine Funktion als zentrales Mittel sozialer Kontrolle.
Wird eine Normabweichung systematisch nicht sanktioniert, verliert die Norm ihre Bindekraft – und die Gesellschaft verschiebt sich. Genau das dokumentieren die vorliegenden Verwaltungsabläufe: Die soziale Kontrolle wird nicht durchgesetzt, und die gesellschaftliche Mitte verliert ihre Stabilität.
Parallel dazu inszenieren Regierungen und Koalitionen Maßnahmen gegen Extremismus: 2012 mit der Einrichtung des Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrums (GETZ), das einen engen Austausch zwischen Polizeien und Nachrichtendiensten etablierte; 2024 mit Ankündigungen, rechtsextreme Netzwerke „zu zerstören“ oder „auszutrocknen“. Diese Maßnahmen erzeugen den Eindruck entschlossenen staatlichen Handelns – doch die dokumentierten Einstellungsquoten zeigen, dass die grundlegende Kontrollfunktion im Alltag nicht greift.
Die offiziellen Zahlen bestätigen diese Entwicklung: Zwischen 2019 und 2023 wurden tausende Verfahren eingestellt. 2024 erreichten politisch motivierte Straftaten mit 84.172 Fällen einen historischen Höchststand – ein Anstieg um mehr als 47 Prozent. Diese Metadaten zeigen nicht nur eine statistische Veränderung, sondern eine strukturelle Dynamik: Die Kontrollfunktion des Strafrechts entfaltet in diesem Bereich keine Wirkung mehr.
Der Schein rechtsstaatlicher Kontrolle
Nach außen entsteht der Eindruck ernsthaften Vorgehens: Anzeigen werden aufgenommen, Vorgänge registriert, Akten angelegt. Ermittlungen werden eingeleitet, geprüft und schließlich nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt – offiziell, weil keine Beweise vorliegen oder kein Täter ermittelt werden kann. Aber ist es wirklich so?
Auch der Fall Uwe Seltmann, den ich untersucht und recherchiert habe, verdeutlicht die dahinterliegenden Machtstrukturen: Die Staatsanwaltschaft Stuttgart stellte das Verfahren wegen Geldwäsche und Nötigung 2021 „mangels Beweisen“ ein. Millionenbeträge und Netzwerke blieben unerforscht, da Beweismittel nicht ausgewertet wurden; Aktenvermerk: „nicht ausgewertet“. Weitere Auskunftsersuchen wurden mit Verweis auf angeblich fehlende strafrechtliche Relevanz zurückgezogen. Für 42 weitere, laut BaFin mit Seltmann verbundene Bankkonten, erfolgten keine Anfragen.
Seltmann tritt zudem mit zwei unterschiedlichen Geburtsorten auf – „Korb“ für Finanzermittlungen, „Waiblingen“ für das Nötigungsverfahren. Eine Doppelidentität ist ein klassisches Warnsignal für Geldwäsche. Dennoch lautete die Begründung: keine Beweise. Diese Argumentation folgt keiner rechtsstaatlichen Logik, sondern einer ideologischen Entscheidung.
Auch die Bewertung seiner Aussagen („Du hast dich überschuldet, Stuttgart erobern zu wollen“ etc.) zeigt diese Verzerrung: Die Staatsanwaltschaft wertete sie als bloßen Hinweis auf meine wirtschaftliche Lage – nicht als Nötigung. In Kombination mit Medienberichten und seiner Finanzbuchhaltung ergibt sich jedoch ein anderes Bild: Seltmann investiert Millionen in Unternehmen nach eigenen Vorstellungen, während er mich durch buchhalterischen Betrug in die Überschuldung und Insolvenz drängt.
Hier geht es nicht um Rendite, sondern um Kontrolle und Einfluss: Wer passt, darf bleiben – andere werden ausgegrenzt. Solche Entscheidungen auf Basis von Herkunft oder „Nicht‑Passen“ sind Diskriminierung und bewegen sich gefährlich nah an rechtsextremen Narrativen.
Die zentrale Frage lautet daher nicht, ob dieses Verhalten legal ist, sondern wie viele solcher Netzwerke längst bestimmen, wer in unseren Städten wirtschaftlich bestehen darf – und ob die Justiz ihrer Aufgabe nachkommt, solche Strukturen aufzuklären und zu verfolgen.
In der web.sta‑Datenbank wurde ich als Anzeigeerstatterin eingetragen, Seltmann jedoch nicht – der eigentliche Beschuldigte „existiert“ offiziell nicht. Diese systematische Ausblendung verzerrt Statistiken und schützt bestehende Machtstrukturen.
DOPiX und die Kontrolle von Informationsströmen
Ein zentrales Instrument seiner Macht ist die Software DOPiX. Mit ihr steuert Seltmann seine doppelte Identität – geschützt durch deutsche Behörden – und kontrolliert Informationsflüsse zwischen Banken, Versicherungen und staatlichen Stellen. DOPiX ist damit nicht nur ein technisches Produkt, sondern Teil einer Machtstrategie: Wer Informationsströme kontrolliert, beeinflusst Entscheidungen, Märkte und institutionelle Reaktionen. Dass die Justiz diese Verbindungen nicht untersucht hat, zeigt, wie tief diese Strukturen geschützt werden.
Wer sich gegen solche Strukturen wehrt und Anzeige erstattet, wird häufig als unglaubwürdig dargestellt oder durch moderne Formen der Ausgrenzung marginalisiert – oft unter dem Deckmantel medizinischer Ethik. Dazu gehören etwa TSH‑Suppression oder der Entzug von Thyroxin nach einer Schilddrüsenentfernung, Maßnahmen, die lebensbedrohliche Folgen haben können. Die Grenze zwischen medizinischer Ethik und historisch belasteten Praktiken beginnt zu verschwimmen.
Die medizinische Ethik ist in diese Strukturen eingebunden. Versicherungen wie die IKK classic zeigen, wie Institutionen Ausgrenzung finanzieren und legitimieren. Viele Versicherungen arbeiten mit DOPiX oder vergleichbaren Systemen; selbst wenn nicht jede einzelne nachweisbar ist, belegt die Verbreitung dieser Softwarefamilie, dass Informationsströme zentral gesteuert werden. Damit verschwimmt die Grenze zwischen medizinischer Verantwortung und ökonomischer Macht: Ärztliche Entscheidungen entstehen nicht im luftleeren Raum, sondern innerhalb von Systemen, die technisch und institutionell vorstrukturiert sind. DOPiX ist hier nicht nur Software, sondern ein Werkzeug, das Ausgrenzung organisatorisch ermöglicht.
Gleichzeitig berufen sich alle Beteiligten auf Gesetzestreue, während Betroffene nach außen als persönlich gescheitert erscheinen. Das ist Ausdruck einer sozialdarwinistischen Ideologie: Es zählt, wer stark ist; die Schwachen werden ausgegrenzt. Die Justiz hat ihre Kontrollfunktion verloren und legitimiert diese Ungerechtigkeit. Unter solchen Bedingungen von Rechtsstaatlichkeit zu sprechen, ist eine Fassade. Institutionalisierte Ungerechtigkeit betrifft Millionen und muss offengelegt werden. Es ist Aufgabe der Justiz, alle relevanten Akten offenzulegen – selbst wenn der Datenschutz Einzelner dahinter zurücktritt.
Strukturelle Muster, nicht Einzelfälle
Es geht nicht darum, einzelne Beamte oder Behörden zu verurteilen. Entscheidend ist das dokumentierte Muster: In allen beteiligten Stellen – in Stuttgart, Berlin und bundesweit – wurde im Fall Uwe Seltmann identisch gehandelt. Wenn Ermittlungen unterbrochen, Beweise nicht ausgewertet, Anfragen zurückgezogen und Beschuldigte nicht eingetragen werden, ist das kein Zufall, sondern ein institutionelles Muster. Die Schlussfolgerung, dass die Justiz hier ihre Kontrollfunktion verloren hat, ist daher nicht pauschal, sondern belegt.
Mein eigener Fall der Ausgrenzung ist persönliche Erfahrung– aber zugleich ein Beispiel dafür, wie institutionelle Mechanismen wirken. Einzelne Fälle sind keine Ausnahmen, sondern zeigen im Kleinen, wie das System im Großen funktioniert. Genau deshalb sind persönliche Erfahrungen in der Analyse relevant: Sie machen sichtbar, was in Statistiken und Verwaltungsakten oft verborgen bleibt.
Wer ausgegrenzt wird, landet im sozialen Netz: Krankenversicherung und Lebensunterhalt werden aus Steuergeldern finanziert. Damit ist Ausgrenzung keine Privatsache, sondern eine Belastung für die Allgemeinheit. Zugleich werden Staatsanwälte, Richter und Verwaltungen ebenfalls aus Steuermitteln bezahlt. Der Unterschied liegt darin: Die einen werden demokratisch gewählt, die anderen üben ihre Macht ohne Wahl aus – durch institutionelle Entscheidungen, die kaum kontrolliert werden.
Genau hier entsteht das Narrativ, das den Rechtsruck befeuert: Menschen würden „nicht arbeiten“ und „vom Staat leben“. In Wirklichkeit erzeugen die Institutionen selbst die Ausgrenzung, die sie später moralisch verurteilen. Die politische Rhetorik verschiebt die Verantwortung vom System auf die Betroffenen – und schafft damit den Boden für gesellschaftliche Spaltung.
Die historische Asymmetrie ist unübersehbar: Linke Denker wie Marx wurden verboten, linke Extremisten verfolgt – doch rechtsextreme Strukturen galten über Jahrzehnte als ‚nicht existent‘.
Man sieht, wohin die Politik das eigene Land steuert.
Quellen & Dokumentation
Historische Quellen zur Verfolgung linker Ideologien
– Deutsches Historisches Museum (DHM): Sozialistengesetz (1878–1890)
– Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Hintergrund zum Sozialistengesetz
Quellen zur Blindstelle gegenüber rechtsextremen Strukturen
– Deutscher Bundestag: NSU-Untersuchungsausschuss – Abschlussbericht
– Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Rechtsextremismus – staatliche Fehleinschätzungen
– Bundeskriminalamt (BKA): Politisch motivierte Kriminalität – Jahresberichte
– Amadeu Antonio Stiftung: Chronik rechtsextremer Gewalt seit 1990
Methodische Quellen zur Musteranalyse
– Destatis: Methodik repräsentativer Befragungen
– Institut für Demoskopie Allensbach: Repräsentativität und Stichprobenlogik
– Pew Research Center: Methodische Grundlagen zur Analyse struktureller Trends
Dossiers & interne Dokumente:
– The Seltmann Operation – Landing Page
– Kapitel 1: Doppelidentität (Korb/Waiblingen)
– Ermittlungsunterbrechungen & Aktenvermerke
– Finanzbuchhaltung & Medienberichte